Was ist GHS? Das Wichtigste in 60 Sekunden
GHS steht für Globally Harmonized System – ein von den Vereinten Nationen entwickeltes System zur weltweit einheitlichen Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien. In der Europäischen Union wird GHS durch die CLP-Verordnung (EG Nr. 1272/2008) rechtsverbindlich umgesetzt.
Die Kernelemente der GHS-Kennzeichnung auf jedem Etikett sind:
- GHS-Piktogramme: Rot umrandete Rauten mit schwarzem Symbol auf weißem Grund – neun verschiedene Symbole für unterschiedliche Gefahrenklassen
- Signalwort: Entweder „Gefahr" (höhere Gefährdung) oder „Achtung" (niedrigere Gefährdung)
- H-Sätze (Hazard Statements): Gefahrenhinweise, z. B. „H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar"
- P-Sätze (Precautionary Statements): Sicherheitshinweise, z. B. „P210: Von Hitze und offenen Flammen fernhalten"
- UFI-Code: Seit 2017 vorgeschrieben – ein 16-stelliger Code zur eindeutigen Identifizierung des Gemischs bei Giftnotrufzentralen
Alle 9 GHS-Piktogramme im Überblick
Jedes GHS-Piktogramm steht für eine oder mehrere Gefahrenklassen. Hier die vollständige Übersicht:
| Code | Symbol | Gefahrenklassen | Beispiele |
|---|---|---|---|
| GHS01 | Explodierende Bombe | Explosive Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe, organische Peroxide | Sprengmittel, Feuerwerkskörper, Nitroglycerin |
| GHS02 | Flamme | Entzündbare Gase, Flüssigkeiten und Feststoffe, selbsterhitzungsfähige Stoffe | Benzin, Aceton, Ethanol, Propangas |
| GHS03 | Flamme über Kreis | Oxidierende Gase, Flüssigkeiten und Feststoffe | Wasserstoffperoxid, Salpetersäure, Kaliumnitrat |
| GHS04 | Gasflasche | Gase unter Druck (verdichtet, verflüssigt, tiefgekühlt) | Sauerstoffflaschen, CO2-Kartuschen, Acetylen |
| GHS05 | Ätzwirkung | Hautätzend, schwere Augenschädigung, korrosiv gegenüber Metallen | Schwefelsäure, Natronlauge, Salzsäure |
| GHS06 | Totenkopf mit Knochen | Akute Toxizität (Kat. 1–3): lebensgefährlich oder giftig | Methanol, Blausäure, bestimmte Pestizide |
| GHS07 | Ausrufezeichen | Gesundheitsschädlich, hautreizend, augenreizend, narkotisierend | Viele Reinigungsmittel, Waschbenzin, Terpentin |
| GHS08 | Gesundheitsgefahr | Krebserzeugend, erbgutverändernd, reproduktionstoxisch, Organschäden | Asbest, Benzol, Formaldehyd, bestimmte Lösemittel |
| GHS09 | Umwelt | Gewässergefährdend (akut und/oder chronisch) | Heizöl, bestimmte Biozide, Schwermetallverbindungen |
Wann sind GHS-Aufkleber Pflicht?
Die Kennzeichnungspflicht ergibt sich aus der CLP-Verordnung und der deutschen Gefahrstoffverordnung. GHS-Aufkleber sind Pflicht in folgenden Situationen:
Auf Originalverpackungen
Jeder Lieferant, der einen als gefährlich eingestuften Stoff oder ein Gemisch in Verkehr bringt, muss die Verpackung mit einem vollständigen GHS-Etikett versehen: alle zutreffenden Piktogramme, Signalwort, H- und P-Sätze, UFI-Code und Lieferantenangaben.
Bei innerbetrieblicher Umfüllung
Werden Gefahrstoffe in andere Behälter umgefüllt, muss auch der neue Behälter gekennzeichnet werden. Nach TRGS 201 reicht eine vereinfachte Kennzeichnung: Stoffname plus GHS-Piktogramm. Die vollständigen H- und P-Sätze können entfallen, wenn das Sicherheitsdatenblatt am Arbeitsplatz zugänglich ist.
Auf Rohrleitungen
Rohrleitungen, die gefährliche Stoffe transportieren, müssen nach DIN 2403 farblich und mit dem entsprechenden GHS-Piktogramm gekennzeichnet werden. Die Fließrichtung ist mit Pfeilen anzugeben.
An Lagerorten
Bereiche, in denen Gefahrstoffe gelagert werden, müssen mit den entsprechenden Gefahrenpiktogrammen gekennzeichnet sein. Ergänzend sind oft Verbotszeichen (z. B. P002 – Rauchen verboten) und Gebotszeichen (z. B. M004 – Augenschutz benutzen) nach ISO 7010 erforderlich.
GHS und Rohrleitungskennzeichnung
Die DIN 2403 regelt die Kennzeichnung von Rohrleitungen nach dem Durchflussstoff. Die Norm definiert Grundfarben für verschiedene Stoffgruppen und verlangt zusätzlich die Angabe des Stoffnamens und der Fließrichtung.
| Grundfarbe | Stoffgruppe | Beispiele |
|---|---|---|
| Grün | Wasser | Trinkwasser, Kühlwasser, Brauchwasser |
| Rot | Löschflüssigkeiten | Löschwasser, Schaumlöschmittel |
| Orange | Säuren | Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure |
| Violett | Laugen | Natronlauge, Kalilauge |
| Gelb | Brennbare Gase | Erdgas, Propan, Acetylen |
| Blau | Luft | Druckluft, Stickstoff |
| Grau | Dampf | Wasserdampf, Heizdampf |
| Braun | Brennbare Flüssigkeiten | Heizöl, Benzin, Diesel |
Neu: CLP-Verordnung 2024/2865 – Was sich ab 2025/2026 ändert NEU
Im November 2024 wurde die überarbeitete CLP-Verordnung (EU) 2024/2865 veröffentlicht. Sie bringt die bedeutendsten Änderungen seit Einführung des GHS-Systems in Europa:
Vier neue Gefahrenklassen
- Endokrine Disruptoren – Stoffe, die das Hormonsystem beeinflussen (getrennt für Mensch und Umwelt)
- PBT/vPvB-Stoffe – persistent, bioakkumulierbar und toxisch bzw. sehr persistent und sehr bioakkumulierbar
- PMT/vPvM-Stoffe – persistent, mobil und toxisch – besonders relevant für die Trinkwasserversorgung
Neue Etikettenanforderungen
- Mindestschriftgrößen je nach Verpackungsgröße – für bessere Lesbarkeit
- Faltetiketten (Booklet-Etiketten) erstmals geregelt – praktisch für mehrsprachige Kennzeichnungen
- Digitale Informationen per QR-Code ergänzend erlaubt – ersetzen aber nicht die physische Kennzeichnung
- Online-Shops müssen alle relevanten GHS-Kennzeichnungselemente im Produktangebot anzeigen
Fristen
- Ab 1. Mai 2025: Neue Gefahrenklassen gelten für Stoffe
- Ab 1. Mai 2026: Neue Regeln gelten auch für Gemische, digitale Etiketten und Werbung
- Ab 1. November 2026: Alle Produkte müssen vollständig konform sein – keine Altbestände mehr
Praxistipps: GHS-Aufkleber korrekt anbringen
- Chemikalienbeständiges Material verwenden: GHS-Aufkleber kommen in Kontakt mit Säuren, Laugen und Lösemitteln. Verwenden Sie ausschließlich chemikalienbeständige PVC- oder Polyesterfolien. Papieraufkleber sind im industriellen Umfeld ungeeignet.
- Mindestgröße beachten: Die Piktogramme müssen mindestens 1/15 der Etikettenfläche einnehmen und dürfen nicht kleiner als 1 cm × 1 cm sein. Ab 2026 gelten zudem die neuen Mindestschriftgrößen.
- Leere Rauten vermeiden: Die ECHA empfiehlt, unvermeidbare leere Rauten auf Etiketten vollständig zu schwärzen, um den Eindruck fehlender Symbole zu vermeiden.
- Untergrund vorbereiten: Fett, Staub und Silikon beeinträchtigen die Haftkraft. Reinigen Sie die Oberfläche vor dem Aufkleben gründlich mit Isopropanol – besonders bei Metallbehältern und Rohrleitungen.
- Sichtbarkeit sicherstellen: Die Piktogramme müssen dauerhaft lesbar sein. Bei Rohrleitungen empfiehlt sich eine Wiederholung alle 5–10 Meter und an jedem Abzweig.
Häufig gestellte Fragen zur GHS-Kennzeichnung
Was ist der Unterschied zwischen GHS und CLP?
GHS ist das weltweit gültige UN-System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien. Die CLP-Verordnung (EG Nr. 1272/2008) ist die europäische Umsetzung dieses Systems. In der EU sind die Begriffe weitgehend austauschbar – die CLP-Verordnung macht GHS in Europa rechtsverbindlich.
Wie viele GHS-Piktogramme gibt es?
Es gibt 9 Piktogramme (GHS01 bis GHS09), dargestellt als rot umrandete Rauten mit weißem Hintergrund und schwarzem Symbol. Ein einzelnes Produkt kann mehrere Piktogramme gleichzeitig tragen.
Müssen umgefüllte Gefahrstoffe gekennzeichnet werden?
Ja. Nach TRGS 201 reicht eine vereinfachte Kennzeichnung mit Stoffname und GHS-Piktogramm. Die vollständigen H- und P-Sätze können entfallen, wenn das Sicherheitsdatenblatt am Arbeitsplatz zugänglich ist.
Gelten die alten orangefarbenen Gefahrensymbole noch?
Nein. Die Übergangsfrist lief 2015 ab. Seitdem dürfen ausschließlich die GHS-Rauten verwendet werden. Produkte mit alter Kennzeichnung dürfen nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
Was ist der UFI-Code?
Der UFI (Unique Formula Identifier) ist ein 16-stelliger Code, der seit 2017 auf Etiketten von Gemischen vorgeschrieben ist. Er ermöglicht Giftnotrufzentralen eine eindeutige Identifizierung des Produkts und schnelle Auskunft über Zusammensetzung und Toxikologie im Notfall.
Fazit: GHS-Kennzeichnung ist Pflicht – und schützt Leben
Die GHS-Kennzeichnung ist das zentrale Instrument, um Gefahren im Umgang mit Chemikalien sofort sichtbar zu machen. Mit der überarbeiteten CLP-Verordnung 2024/2865 kommen ab 2025/2026 neue Anforderungen hinzu – von zusätzlichen Gefahrenklassen über Mindestschriftgrößen bis zur Digitalisierung per QR-Code. Wer jetzt seine Kennzeichnung prüft und aktualisiert, ist auf der sicheren Seite.
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