Sicherheitskennzeichnung an Roboteranlagen und Schutzzäunen: Normen, Beispiele und Best Practices

Roboterzellen in der Fertigung sind Hochleistungs-Arbeitsbereiche – und Hochrisiko-Zonen. Hinter dem Schutzzaun bewegen sich Roboterarme mit enormen Kräften und Geschwindigkeiten, Schweißfunken sprühen, Greifer halten tonnenschwere Werkstücke. Einzelne Piktogramme reichen hier oft nicht aus: An Roboteranlagen kommen umfassende Betriebsanweisungstafeln, Warnzeichen, Gebotszeichen und Verbotszeichen zum Einsatz – angepasst an die spezifischen Gefährdungen, die sich aus der Risikobeurteilung ergeben. Dieser Ratgeber zeigt, welche Kennzeichnung an Roboterzellen und Schutzzäunen Pflicht ist, welche Normen gelten und wann Blechschilder die bessere Wahl gegenüber Aufklebern sind.

Betriebsanweisungstafel und Warnzeichen am Schutzzaun einer Industrieroboterzelle mit Schweißroboter

Welche Normen regeln die Sicherheit von Roboteranlagen?

Roboteranlagen unterliegen als Maschinen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (und ab Januar 2027 der neuen EU-Maschinenverordnung 2023/1230). Für die spezifischen Sicherheitsanforderungen an Industrieroboter sind mehrere Normen relevant:

NormRegelungsbereich
DIN EN ISO 10218-1Sicherheitsanforderungen an den Industrieroboter selbst (Achsen, Steuerung, Bremsen)
DIN EN ISO 10218-2Sicherheitsanforderungen an Robotersysteme und deren Integration – inkl. Schutzzäune, Zugänge und Kennzeichnung
ISO/TS 15066Spezifische Anforderungen an kollaborierende Roboter (Cobots) – Kraft- und Druckgrenzwerte bei Kontakt
DIN EN ISO 12100Risikobeurteilung und Risikominderung – bestimmt, welche Kennzeichnung erforderlich ist
DIN EN ISO 7010Sicherheitszeichen (Warn-, Verbots-, Gebotszeichen) – definiert die Piktogramme selbst
DIN EN ISO 13857Sicherheitsabstände – bestimmt die Dimensionierung des Schutzzauns
DIN EN ISO 14120Anforderungen an trennende Schutzeinrichtungen (Schutzzäune, Schutztüren)
DGUV Information 209-074Praxisleitfaden „Industrieroboter" – interpretiert die Normen mit vielen Beispielen
Wichtig: Ein Roboterarm allein hat in der Regel keine CE-Kennzeichnung als vollständige Maschine – er gilt als unvollständige Maschine. Erst die fertige Roboteranlage (Roboter + Werkzeug + Schutzeinrichtungen + Steuerung) durchläuft das Konformitätsbewertungsverfahren. Der Systemintegrator, der die Anlage zusammenbaut, wird zum Hersteller und ist damit auch für die normgerechte Sicherheitskennzeichnung verantwortlich.

Typische Sicherheitszeichen an Roboterzellen

Die konkreten Zeichen ergeben sich aus der Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100. An Roboterzellen mit Schutzzaun sind jedoch bestimmte Gefährdungen so häufig, dass die folgenden Zeichen in der Praxis fast immer zum Einsatz kommen:

Warnzeichen (gelbe Dreiecke)

ZeichenBedeutungTypischer Anbringungsort
W012Warnung vor elektrischer SpannungSchaltschrank der Robotersteuerung
W017Warnung vor heißer OberflächeSchweißbereich, Werkstückauflage
W018Warnung vor automatischem AnlaufAn jeder Schutzzauntür – zentrale Warnung!
W024Warnung vor HandverletzungenQuetsch- und Scherstellen am Werkzeug
W030Warnung vor EinzugsgefahrFörderbänder, Rollenbahnen innerhalb der Zelle
W004Warnung vor LaserstrahlLaserschweißanlagen, Laservermessungssysteme

Verbotszeichen (rote Kreise)

ZeichenBedeutungTypischer Anbringungsort
P006Zutritt für Unbefugte verbotenAn jeder Zugangstür zum Schutzzaun
P031Schalten verbotenHauptschalter während Wartungsarbeiten

Gebotszeichen (blaue Kreise)

ZeichenBedeutungTypischer Anbringungsort
M002Gehörschutz benutzenBei Lärm > 85 dB(A) innerhalb der Zelle
M004Augenschutz benutzenSchweißroboterzellen, Schleifen, Lasern
M008Fußschutz benutzenAllgemein im Produktionsbereich
M009Handschutz benutzenBereiche mit scharfkantigen Werkstücken
▶ Warnzeichen ▶ Verbotszeichen ▶ Gebotszeichen

Betriebsanweisungstafeln am Schutzzaun

Bei komplexen Roboteranlagen reichen einzelne Piktogramme oft nicht aus, um alle Gefährdungen und Verhaltensregeln zu kommunizieren. Hier kommen Betriebsanweisungstafeln zum Einsatz – großformatige, mehrfarbige Sicherheitstafeln, die alle relevanten Informationen auf einen Blick zusammenfassen.

Die Maschinenrichtlinie empfiehlt solche kombinierten Warnhinweise ausdrücklich. Eine Betriebsanweisungstafel am Zugang zur Roboterzelle enthält typischerweise:

  • Alle identifizierten Gefahren im Inneren der Zelle (Quetschen, Scheren, Stoßen, Verbrennung, elektrische Spannung)
  • Erforderliche PSA für den Zutritt (Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz, Handschuhe)
  • Verhaltensregeln für Normalbetrieb und Wartung
  • Notfallmaßnahmen und Standort des Not-Halt-Tasters
  • Den ausdrücklichen Hinweis, dass die Anlage nicht mit manipulierten, deaktivierten oder defekten Schutzeinrichtungen betrieben werden darf
  • Kontaktinformationen des Verantwortlichen
Manipulation von Schutzeinrichtungen: Das Überbrücken von Sicherheitsschaltern an Schutzzaunen ist einer der häufigsten Ursachen für schwere Unfälle an Roboteranlagen. Die DGUV Information 209-074 betont ausdrücklich, dass die Betriebsanweisung einen klaren Hinweis auf das Verbot der Manipulation enthalten muss. ergo-safe bietet Betriebsanweisungstafeln, die diesen Hinweis in auffälliger Form integrieren.
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Cobots ohne Schutzzaun: Was ändert sich bei der Kennzeichnung?

Kollaborierende Roboter (Cobots) arbeiten in einem gemeinsamen Arbeitsraum mit dem Menschen – ohne trennenden Schutzzaun. Das bedeutet aber nicht, dass keine Kennzeichnung erforderlich ist. Im Gegenteil: Da keine physische Barriere den Menschen vom Roboter trennt, wird die Benutzerinformation noch wichtiger.

Die ISO/TS 15066 definiert biomechanische Grenzwerte für Kraft und Druck, die bei einem Kontakt zwischen Roboter und Mensch nicht überschritten werden dürfen. Typische Kennzeichnungen an Cobot-Arbeitsplätzen sind:

  • Hinweisschilder mit den maximal zulässigen Geschwindigkeiten und Kräften des Roboters
  • W024 (Warnung vor Handverletzungen) an Stellen, wo Quetschgefahr besteht
  • Gebotszeichen für erforderliche PSA, z. B. M009 (Handschutz) bei der Handhabung scharfkantiger Werkstücke
  • Bodenmarkierungen, die den kollaborativen Arbeitsbereich visuell abgrenzen
  • Hinweis auf den Not-Halt und dessen Standort
Praxis-Tipp: Bei Cobot-Anwendungen ist eine gründliche Risikobeurteilung besonders wichtig, da die Gefährdungen je nach Werkzeug, Werkstück und Aufgabe stark variieren. Ein Cobot, der leichte Kunststoffteile sortiert, hat ein völlig anderes Risikoprofil als einer, der schwere Metallteile poliert. Die Kennzeichnung muss diese Unterschiede abbilden.

Material: Blechschilder vs. PVC-Aufkleber – wann was?

An Roboteranlagen stellt sich eine besondere Materialfrage: Auf einem Schutzzaun aus Drahtgeflecht können Aufkleber nicht direkt angebracht werden. Hier müssen alternative Lösungen her. ergo-safe bietet beide Varianten:

EigenschaftAluminium-BlechschilderPVC-Aufkleber
Anbringung auf SchutzzäunenEinhängen in Maschen oder VerschraubenNicht möglich auf Drahtgeflecht
Anbringung auf glatten FlächenVerschrauben oder mit MagnethalterSelbstklebend, schnelle Montage
WitterungsbeständigkeitSehr hoch (eloxiertes Aluminium)Hoch (PVC-Folie + UV-Schutz)
ReinigungsmittelbeständigkeitSehr hochHoch (Orafol-Industriefolie)
VibrationsfestigkeitSehr hoch (mechanische Befestigung)Hoch (Universalkleber auf Acrylatbasis)
Flexibilität bei ÄnderungenNiedrig (Schraublöcher bleiben)Hoch (rückstandsfrei entfernbar)
Kosten pro StückHöherNiedriger
Typischer EinsatzortSchutzzaun, Außenbereich, Schilder > DIN A4Schaltschrank, Maschinengehäuse, Schutztüren

In der Praxis wird häufig eine Kombination eingesetzt: Die Betriebsanweisungstafel am Schutzzaun als Blechschild zum Einhängen, die einzelnen Piktogramme an Schaltschränken und Maschinengehäusen als PVC-Aufkleber.

Praxis-Beispiel: Kennzeichnung einer Schweißroboterzelle

Beispiel: 6-Achs-Schweißroboter mit Schutzzaun, Drehtisch und Absauganlage

Aus der Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100 ergeben sich folgende Restrisiken und die zugehörige Kennzeichnung:

Am Zugang zum Schutzzaun (Schutztür):

  • Betriebsanweisungstafel (Blechschild, eingehängt) mit allen Gefahren, PSA-Anforderungen und Verhaltensregeln
  • W018 – Warnung vor automatischem Anlauf (PVC-Aufkleber auf der Schutztür)
  • P006 – Zutritt für Unbefugte verboten (PVC-Aufkleber auf der Schutztür)

Am Schaltschrank:

  • W012 – Warnung vor elektrischer Spannung (PVC-Aufkleber)
  • P031 – Schalten verboten (als Anhängeschild für Wartungsarbeiten)

Im Inneren der Zelle (sichtbar bei geöffneter Tür):

  • W017 – Warnung vor heißer Oberfläche (am Drehtisch und an der Schweißvorrichtung)
  • W024 – Warnung vor Handverletzungen (an Quetschstellen am Werkzeugwechsler)
  • M004 – Augenschutz benutzen (Schweißstrahlung)
  • M002 – Gehörschutz benutzen (Lärm beim Schweißen > 85 dB)

An der Absauganlage:

  • W030 – Warnung vor Einzugsgefahr (am Ventilator)
  • Hinweisschild „Absaugung nicht abschalten" (individueller Druck)

Risikobeurteilung und Kennzeichnung aus einer Hand

ergo-safe unterstützt Maschinenbauer und Systemintegratoren nicht nur mit hochwertigen Sicherheitsaufklebern und Blechschildern, sondern bietet auch professionelle Risikobeurteilungen nach DIN EN ISO 12100, Erstellung von Betriebsanleitungen und CE-Nachweisdokumentationen an. So erhalten Sie die Kennzeichnung, die exakt zu den Ergebnissen Ihrer Risikobeurteilung passt.

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Häufig gestellte Fragen

Welche Normen regeln die Sicherheit von Roboteranlagen?

Die zentralen Normen sind DIN EN ISO 10218-1 und DIN EN ISO 10218-2 für die Sicherheitsanforderungen an Industrieroboter und deren Integration. Ergänzend gelten ISO/TS 15066 für kollaborierende Roboter, DIN EN ISO 12100 für die Risikobeurteilung, DIN EN ISO 7010 für die Sicherheitszeichen und DIN EN ISO 14120 für trennende Schutzeinrichtungen. Ein guter Praxisleitfaden ist die DGUV Information 209-074 „Industrieroboter".

Müssen Sicherheitszeichen am Schutzzaun aus Blech sein?

Auf Schutzzäunen aus Drahtgeflecht können Aufkleber nicht angebracht werden – hier sind Blechschilder zum Einhängen oder Verschrauben die einzige Lösung. Auf glatten Flächen wie Schutztüren und Schaltschränken sind PVC-Aufkleber die schnellere und günstigere Alternative. In der Praxis wird oft beides kombiniert.

Was muss auf einer Betriebsanweisung am Schutzzaun stehen?

Alle identifizierten Gefahren im Inneren der Zelle, erforderliche PSA, Verhaltensregeln für Normalbetrieb und Wartung, Notfallmaßnahmen und der ausdrückliche Hinweis, dass die Anlage nicht mit manipulierten Schutzeinrichtungen betrieben werden darf.

Braucht ein Cobot auch Sicherheitskennzeichnung?

Ja. Auch schutzzaunlose Cobot-Arbeitsplätze müssen die Restrisiken aus der Risikobeurteilung durch Sicherheitszeichen kommunizieren. Da keine physische Barriere den Menschen trennt, ist die Benutzerinformation sogar besonders wichtig – Hinweise auf Quetschgefahr, PSA-Anforderungen und Kraft-/Geschwindigkeitsgrenzen.

Was passiert beim Umbau einer bestehenden Roboteranlage?

Wenn der Umbau eine „wesentliche Veränderung" im Sinne der Maschinenverordnung darstellt – z. B. Änderung des Werkzeugs, Erweiterung des Arbeitsraums oder Hinzufügen neuer Prozesse – muss eine neue Risikobeurteilung durchgeführt und die Kennzeichnung entsprechend angepasst werden. Der Betreiber wird in diesem Fall zum Hersteller. ergo-safe unterstützt bei der Risikobeurteilung und liefert die passenden Schilder.

Fazit: Roboteranlagen erfordern mehr als einzelne Piktogramme

Die Sicherheitskennzeichnung an Roboteranlagen ist komplex – und das aus gutem Grund. Roboteranlagen vereinen eine Vielzahl von Gefährdungen auf engem Raum: mechanische, elektrische, thermische Risiken und das Risiko des automatischen Anlaufs. Die Kombination aus Betriebsanweisungstafeln am Schutzzaun und einzelnen Sicherheitszeichen an den jeweiligen Gefahrenstellen stellt sicher, dass Bediener, Instandhalter und Rettungskräfte jederzeit wissen, womit sie es zu tun haben.

Sicherheitskennzeichnung für Roboteranlagen – Aufkleber und Blechschilder vom Hersteller

ergo-safe liefert alle Sicherheitszeichen nach ISO 7010 als PVC-Aufkleber und als Aluminium-Blechschilder zum Einhängen in Schutzzäune. Dazu Betriebsanweisungstafeln, individuell bedruckt mit den Ergebnissen Ihrer Risikobeurteilung.

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service@ergo-safe.de

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