Ändert die neue EU-Maschinenverordnung 2027 etwas an der Kennzeichnungspflicht

Das Grundprinzip bleibt: Kennzeichnung leitet sich aus der Risikobeurteilung ab. Neu ist, dass die Risikobeurteilung künftig Pflichtbestandteil der technischen Unterlagen wird und der Marktüberwachung auf Verlangen vorgelegt werden muss. Die Dokumentationspflicht wird also strenger — ein Grund mehr, den Prozess sauber aufzusetzen.

Sicherheitskennzeichnung an einer Industriemaschine – Warnzeichen, Gebotszeichen und ANSI-Schilder normkonform angebracht
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Warum es keine universelle Aufkleber-Checkliste gibt

„Welche Aufkleber muss ich auf meine Maschine kleben?" — diese Frage erreicht uns seit über 20 Jahren mindestens zweimal pro Woche. Die Antwort frustriert viele beim ersten Hören: Es gibt keine pauschale Liste.

Keine Norm der Welt schreibt vor, dass auf eine CNC-Fräse Aufkleber A, B und C gehören. Und auf eine hydraulische Presse Aufkleber D, E und F. Der Grund ist einfach: Jede Maschine hat ein individuelles Risikoprofil. Eine Drehmaschine mit offener Spannvorrichtung braucht andere Warnhinweise als eine identisch aussehende Drehmaschine mit vollständiger Schutzhaube. Die Gefährdungen unterscheiden sich — und damit auch die Kennzeichnung.

Was es stattdessen gibt, ist ein klar definierter Prozess, der für jede einzelne Maschine die notwendige Kennzeichnung ableitet. Dieser Prozess heißt Risikobeurteilung.

Die Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100 – der einzige belastbare Weg

Die DIN EN ISO 12100 („Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze") beschreibt ein dreistufiges Verfahren zur Risikominderung. Die Sicherheitskennzeichnung steht dabei bewusst am Ende der Kette — nicht am Anfang:

  1. Inhärent sichere Konstruktion: Gefährdungen durch konstruktive Maßnahmen beseitigen (z. B. scharfe Kanten vermeiden, Abstände einhalten).
  2. Technische Schutzmaßnahmen: Trennende und nichttrennende Schutzeinrichtungen (Schutzhauben, Lichtvorhänge, Zweihandschaltungen).
  3. Benutzerinformation: Warn- und Hinweisschilder, Betriebsanleitung, Schulung — für alle Restrisiken, die durch Stufe 1 und 2 nicht vollständig eliminiert werden konnten.
Häufiger Fehler: Viele Hersteller kleben zuerst Aufkleber auf die Maschine und erstellen die Risikobeurteilung erst danach — oder gar nicht. Das ist nicht nur methodisch falsch, sondern ein ernsthaftes Haftungsrisiko. Im Schadensfall prüft der Gutachter, ob eine Risikobeurteilung vorliegt und ob die Kennzeichnung daraus schlüssig abgeleitet wurde.

Die Risikobeurteilung identifiziert also zunächst alle Gefährdungen (mechanisch, elektrisch, thermisch, durch Lärm, Strahlung, Stoffe usw.), bewertet deren Schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit und definiert Maßnahmen zur Risikominderung. Erst das, was danach als Restrisiko übrig bleibt, muss durch Sicherheitszeichen an der Maschine und durch die Betriebsanleitung kommuniziert werden.

Welche Sicherheitszeichen gibt es? ISO 7010 und ANSI Z535 im Überblick

Sobald die Risikobeurteilung ergeben hat, welche Restrisiken kommuniziert werden müssen, stellt sich die Frage nach dem Wie. International haben sich zwei Systeme etabliert:

DIN EN ISO 7010 – der europäische Standard

Die DIN EN ISO 7010 definiert einheitliche Sicherheitszeichen, die europaweit (und weitgehend international) anerkannt sind. Sie arbeitet mit drei Kategorien:

Kategorie Form & Farbe Bedeutung Beispiel
Verbotszeichen Rund, roter Rand mit Querstrich Handlung ist untersagt P010 – Berühren verboten
Warnzeichen Dreieckig, gelb mit schwarzem Rand Gefahr oder Risiko W012 – Warnung vor elektrischer Spannung
Gebotszeichen Rund, blau Handlung ist erforderlich M004 – Augenschutz benutzen

ANSI Z535 – Pflicht für den US-Export

Wer Maschinen in die USA oder nach Kanada exportiert, muss die ANSI Z535-Reihe beachten (insbesondere ANSI Z535.4 für Produktsicherheitsschilder). Das ANSI-System arbeitet mit farbcodierten Signalwörtern, die den Schweregrad der Gefährdung kommunizieren:

Signalwort Bedeutung Wann verwenden
DANGER Unmittelbare Gefahr, die Tod oder schwere Verletzung verursacht Höchste Stufe — nur bei unmittelbarer, akuter Lebensgefahr
WARNING Gefahr, die Tod oder schwere Verletzung verursachen kann Häufigste Stufe im Maschinenbau
CAUTION Gefahr, die leichte bis mittelschwere Verletzung verursachen kann Geringere Verletzungsschwere, z. B. Quetschungen
NOTICE Sachschaden oder betriebliche Hinweise (keine Personengefährdung) Hinweis auf Maschinenschäden, Betriebsbedingungen
SAFETY INSTRUCTIONS Allgemeine Sicherheitshinweise Übergreifende Sicherheitsregeln, z. B. am Maschineneingang
Praxis-Tipp: ANSI-Schilder bestehen immer aus drei Elementen: Signalwort (farbige Kopfzeile), Piktogramm (nach ISO 3864-2) und Textfeld mit Gefährdung, Folge und Vermeidung. Alle drei müssen vorhanden sein — ein Piktogramm allein reicht im ANSI-System nicht aus.

Und was ist mit der neuen EU-Maschinenverordnung?

Die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 löst ab dem 20. Januar 2027 die bisherige Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ab. An den grundlegenden Anforderungen zur Sicherheitskennzeichnung ändert sich das Prinzip nicht: Kennzeichnung ergibt sich weiterhin aus der Risikobeurteilung. Allerdings werden die Anforderungen an die Dokumentation strenger — unter anderem wird die Risikobeurteilung künftig Pflichtbestandteil der technischen Unterlagen, die der Marktüberwachung auf Verlangen vorzulegen sind.

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In 6 Schritten zur richtigen Maschinenkennzeichnung

  1. Risikobeurteilung durchführen Identifizieren Sie alle Gefährdungen an Ihrer Maschine nach DIN EN ISO 12100. Berücksichtigen Sie dabei den bestimmungsgemäßen Gebrauch und die vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung.
  2. Risikominderung in der richtigen Reihenfolge Prüfen Sie für jede Gefährdung: Lässt sie sich konstruktiv beseitigen? Falls nein: Ist eine technische Schutzeinrichtung möglich? Erst wenn beides ausgeschöpft ist, kommt Stufe 3 — die Benutzerinformation.
  3. Restrisiken dokumentieren Halten Sie schriftlich fest, welche Restrisiken verbleiben und an welcher Stelle der Maschine sie auftreten. Diese Liste ist Ihre Grundlage für die Kennzeichnung.
  4. Zielmarkt bestimmen Europa? Dann ISO 7010. USA/Kanada? Dann ANSI Z535.4. Beide Märkte? Dann benötigen Sie beide Systeme — idealerweise als Kombischilder oder mit separaten Schildsätzen je Markt.
  5. Sicherheitszeichen auswählen und positionieren Wählen Sie für jedes Restrisiko das passende Zeichen. Platzieren Sie es in Sichtlinie zur Gefahrstelle — nicht auf der Rückseite der Maschine, wenn die Gefahr vorne liegt. Beachten Sie die Mindestgrößen nach ISO 3864-1 (Erkennungsweite).
  6. Material und Haltbarkeit festlegen Maschinen im Außenbereich oder in Nassräumen brauchen UV- und chemikalienbeständige Folien. Für Standardanwendungen in der Fertigungshalle eignen sich hochwertige Industriefolien mit mindestens 7 Jahren Haltbarkeit.
Praxis-Tipp: Fotografieren Sie die Anbringungsorte an der Maschine und dokumentieren Sie die Zuordnung „Restrisiko → Sicherheitszeichen → Position" in einer Tabelle. Das erleichtert Nachbestellungen, Serienproduktion und jedes CE-Audit erheblich.

5 Fehler, die wir seit 20 Jahren immer wieder sehen

Fehler 1: Aufkleber bestellen, bevor die Risikobeurteilung steht. Ohne Gefährdungsanalyse fehlt die Grundlage. Im Schadensfall ist die Kennzeichnung nicht nachvollziehbar begründet — und damit wertlos.
Fehler 2: Nur Piktogramme, kein Textfeld. Im europäischen Raum sind reine ISO-7010-Piktogramme zulässig. Für den US-Markt (ANSI Z535.4) ist ein Textfeld mit Gefährdungsbeschreibung, Folge und Vermeidungsmaßnahme Pflicht. Wer beides mit einem reinen Piktogramm abdecken will, verstößt gegen ANSI.
Fehler 3: Falsche Größe. Ein 25 × 25 mm-Warnzeichen auf einer 3 m breiten Portalfräse ist aus 2 m Entfernung nicht erkennbar. Die ISO 3864-1 gibt klare Mindestmaße vor, abhängig von der Erkennungsweite.
Fehler 4: Nicht-normkonforme Eigenkreationen. Selbst entworfene Piktogramme oder frei gewählte Farben haben im Audit keinen Bestand. Nutzen Sie ausschließlich normierte Zeichen — bei Bedarf ergänzt um firmenspezifische Zusatzschilder.
Fehler 5: Sprache ignorieren. Die Betriebsanleitung muss in der Landessprache des Zielmarkts vorliegen — das gilt auch für Textelemente auf Sicherheitsschildern. Ein rein englisches ANSI-Schild in Frankreich ist nicht ausreichend.

Warum Maschinenbauer auf ergo-safe setzen

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Alle Sicherheitszeichen entsprechen DIN EN ISO 7010, ISO 3864 und ANSI Z535.4. Sie erhalten Kennzeichnung, die im Audit besteht — ohne eigene Normrecherche.

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Über 20 Jahre Praxis in der Sicherheitskennzeichnung für den Maschinenbau. Wir kennen die Normen, die Materialien und die typischen Stolperfallen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine Norm, die vorschreibt, welche Aufkleber auf welche Maschine gehören?

Nein. Keine Norm liefert eine maschinenspezifische Aufkleber-Liste. Die DIN EN ISO 12100 beschreibt den Prozess der Risikobeurteilung, aus dem sich die notwendige Kennzeichnung individuell ergibt. Typ-C-Normen (z. B. für Drehmaschinen, Pressen) können spezifischere Hinweise enthalten, ersetzen aber nicht die eigene Risikobeurteilung.

Was kostet ein Satz Sicherheitsaufkleber für eine Maschine?

Das hängt von Anzahl, Größe, Material und Sprachen ab. Ein typischer Schildersatz für eine mittelgroße Werkzeugmaschine mit 10–20 Sicherheitszeichen beginnt bei wenigen Euro pro Satz in der Serienproduktion. Im ergo-safe Shop können Sie einzelne Schilder oder komplette Sätze konfigurieren und erhalten sofort eine Preisübersicht.

Brauche ich ISO 7010 oder ANSI Z535 — oder beides?

Das richtet sich nach dem Zielmarkt. Für den europäischen Markt ist ISO 7010 der Standard. Für die USA und Kanada gilt ANSI Z535.4. Exportieren Sie in beide Regionen, benötigen Sie in der Regel beide Systeme. Kombischilder, die ISO-Piktogramm und ANSI-Textfeld vereinen, sind eine platzsparende Lösung.

In welchen Sprachen liefert ergo-safe Sicherheitsschilder?

Grundsätzlich in jeder Sprache Ihres Zielmarkts. Standardmäßig sind Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Chinesisch und Arabisch verfügbar. Weitere Sprachen setzen wir auf Anfrage um.

Was passiert, wenn ich keine Risikobeurteilung habe und trotzdem Aufkleber klebe?

Die Aufkleber sind dann nicht nachvollziehbar begründet. Im Schadensfall kann ein Gutachter feststellen, dass die Kennzeichnung unvollständig war — etwa weil eine Gefährdung übersehen wurde. Ohne dokumentierte Risikobeurteilung tragen Sie als Hersteller die volle Beweislast, dass Ihre Kennzeichnung ausreichend war.

Wie groß müssen Sicherheitszeichen auf Maschinen sein?

Die ISO 3864-1 definiert die Mindestgröße abhängig von der Erkennungsweite. Faustformel: Der Durchmesser eines Sicherheitszeichens sollte mindestens 1/200 der maximalen Erkennungsweite betragen. Bei 4 m Abstand ergibt das mindestens 20 mm Durchmesser — in der Praxis empfehlen wir für Maschinen mindestens 50 mm.

Bietet ergo-safe auch Unterstützung bei der Risikobeurteilung?

Unser Kerngeschäft ist die Sicherheitskennzeichnung. Für die Risikobeurteilung selbst empfehlen wir die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Sicherheitsingenieur oder CE-Berater. Sobald die Ergebnisse vorliegen, übernehmen wir die normkonforme Umsetzung in Schildform — auf Wunsch inklusive Layout-Erstellung und Positionierungsvorschlag.

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Konfigurieren Sie normkonforme Sicherheitsschilder nach ISO 7010 und ANSI Z535 direkt im ergo-safe Shop — oder lassen Sie sich von unserem Team einen kompletten Schildersatz für Ihre Maschine erstellen.

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